Zu viel gibt’s nicht: Versicherer dürfen sich gerne häufiger melden.

Direktmarketing wirkt nach wie vor, doch die Anforderungen wandeln sich. Neue Sirius-Campus-Untersuchung zeigt, warum sich ein guter Social-Media-Auftritt auszahlt und welche Finfluencer als glaubwürdig wahrgenommen werden.

September 2026. Die Erwartung von Versicherungskunden, regelmäßig über neue Versicherungsangebote informiert zu werden, hat im Vergleich zu 2020 leicht zugenommen, liegt aber langfristig stabil bei etwa 50 Prozent. Rund 80 Prozent der Versicherungskunden öffnen die Briefe ihrer eigenen Versicherer, etwa zwei Drittel lesen sie ausführlich. Rund 40 Prozent vergleichen die Angebote mit ihren bestehenden Verträgen. Bei E-Mails der eigenen Versicherungsgesellschaft liegen die Werte nur geringfügig darunter. Anders sieht es bei der Ansprache durch fremde Gesellschaften aus: Deren Mailing-Aktionen finden deutlich mehr Beachtung, wenn sie per Post statt per E-Mail erfolgen.

Persönlich adressierte Briefe und E-Mails sind aus Kundensicht nach wie vor die beliebtesten Kommunikationswege. Deutlich an Beliebtheit gewonnen haben Kurzmitteilungen sowie Nachrichten im Kundenportal.

Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Schwerpunktuntersuchung „Ansprachepräferenzen“ aus dem Sirius Campus Kundenmonitor Assekuranz 2026. Grundlage sind 2.024 repräsentative Online-Interviews mit 18- bis 69-jährigen Versicherungsentscheidern und -mitentscheidern im Juni und Juli 2026.

Persönliche Angebote und konkrete Vertragsinformationen sind unkritisch

Insgesamt gibt es dabei nach wie vor kaum Verärgerung über zu viele unaufgeforderte Kontakte durch die eigene Versicherungsgesellschaft. Lediglich Werbebriefe mit allgemeinen Broschüren bergen ein geringes Risiko, Kunden bei zu hoher Häufigkeit zu verärgern. Dieses Risiko liegt bei Schreiben der eigenen Gesellschaft jedoch nur bei 10 Prozent und steigt auch bei Briefen fremder Versicherer nicht über 20 Prozent. Noch einmal deutlich geringer ist die Verärgerungswahrscheinlichkeit bei Briefen mit konkreten Vertragsinformationen, individuellen Angeboten oder Hinweisen zu Vertragsänderungen: Zwei Schreiben dieser Art pro Jahr sind in jedem Fall unproblematisch. Erst bei einer höheren Kontaktfrequenz steigt die Gefahr, den Empfänger zu verärgern.

Sichtbarkeit von Versicherern in Social Media steigt – Qualität zahlt sich aus

Versicherer tun sich in sozialen Netzwerken weiterhin schwerer als andere Unternehmen – und werden dort auch kritischer beurteilt. So finden es lediglich 35 Prozent gut, wenn sie sich in sozialen Netzwerken über Versicherungen informieren können. Über alle Branchen hinweg liegt dieser Wert bei 52 Prozent. Immerhin jeder Dritte (36%) hat in den vergangenen sechs Monaten Versicherungscontent in sozialen Netzwerken wahrgenommen. 40 Prozent können sich an Werbung von Versicherungsgesellschaften erinnern – 2020 waren es nur 17 Prozent. Besonders stark wird diese Entwicklung von jüngeren Kunden getragen: In dieser Altersgruppe haben zuletzt 69 Prozent Versicherungswerbung in sozialen Netzwerken wahrgenommen.

Auch die Zufriedenheit mit den Social-Media-Auftritten von Versicherern ist seit 2020 deutlich gestiegen – von 35 auf 56 Prozent. Dabei zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Qualität und Wirkung: Allein der Sprung von einer „guten“ zu einer „sehr guten“ Bewertung des Social-Media-Auftritts erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Kontaktaufnahme zum Vermittler um mehr als 50 Prozent.

Finfluencer überzeugen mit Verständlichkeit, bei der Unabhängigkeit bleiben Zweifel

Finanz-Influencer haben sich in den vergangenen Jahren als neue Akteure bei der Vermittlung von Finanzthemen etabliert. Der bekannteste in Deutschland ist aktuell Thomas Kehl mit seinem Kanal „Finanzfluss“; 22 Prozent haben bereits von ihm oder seinem Kanal gehört. An zweiter und dritter Stelle folgen Finanztip (Saidi Sulilatu) und Aktien mit Kopf (Kolja Barghoorn). Finfluencer werden dabei generell als hilfreich wahrgenommen – dennoch bestehen deutliche Vorbehalte. Vor allem ihre Fähigkeit, Finanzthemen verständlich zu erklären, wird positiv bewertet. Gleichzeitig bestehen jedoch nennenswerte Zweifel an ihrer Unabhängigkeit, interessanterweise vor allem unter den Nutzern selbst: 69 Prozent äußern hier Zweifel – gegenüber 48 Prozent bei den Nichtnutzern.

Neben den drei schon erwähnten Finfluencern sind die folgenden Kanäle Teil der Untersuchung: Cashkurs (Dirk Müller), Echtgeld.tv (Tobias Kramer), Finanzrocker (Daniel Korth), Finanzwesir (Albert Warnecke), Frau Finanzen (Freya Früh), Madame Moneypenny (Natascha Wegelin), Ohne Aktien wird schwer (Noah Leidinger), Professor Finanzen (Ibrahim „Ibo“ Ahmiane) und Versicherungen mit Kopf (Bastian Kunkel) – in alphabetischer Reihenfolge.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Versicherer bei der Ansprache ihrer Kunden nicht zurückhaltender, sondern relevanter werden müssen“, erläutert Christoph Müller, Geschäftsführer und Gründer der Sirius Campus GmbH. „Kunden sind für Kontakte durchaus offen, wenn sie einen konkreten Nutzen erkennen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Relevanz, Qualität und Glaubwürdigkeit – bei Brief und E-Mail ebenso wie in sozialen Netzwerken oder bei Finfluencern.“

Weitere Informationen zur Marktuntersuchung „Ansprachepräferenzen“ erhältst du hier:

Christoph Müller
christoph.mueller@siriuscampus.de
0152 38 24 66 44