Sirius Campus Untersuchung „Monitor zur Energiewende: Perspektive der Energieberatenden“
April 2026. Drei Viertel (77%) der Energieberaterinnen und Energieberater beurteilen die geplante Abschaffung der 65%-Regel für erneuerbare Heizenergie (§§71 / 72 GEG) mit mittelmäßig oder schlecht. Viele sehen darin eine Unterwanderung der Klimaschutzziele. Am häufigsten befürchten Energieberatende deswegen eine langfristige Kostenfalle für fossile Heizungsnutzer (70%), Verunsicherung von Wohneigentümern und Immobilienbesitzern (61%) und weniger Interesse an energetischen Sanierungen (43%). Nur ein Fünftel (21%) der Energieberatenden beurteilt die Abschaffung der 65%-Regel als gut oder besser. Sie sehen darin keine Gefahr für den Absatz von Wärmepumpen und erkennen mehr Freiheit beim Heizungsaustausch.
Deutlich positiver als das geplante GMG wird die Zusammenarbeit mit Förder-Durchführern beurteilt. So konnte sich der Förderservice durch das BAFA seit 2023 von „schlecht (+)“ auf „gut (-)“ auf einer 5-stufigen Benotungsskala von „sehr schlecht“ bis „sehr gut“ deutlich verbessern. Der KfW Service wird von Energieberatenden in diesem Jahr wie auch schon in 2023 mit „gut“ beurteilt.
Dies sind die Ergebnisse der Sirius Campus Marktuntersuchung „Monitor zur Energiewende – Perspektive der Energieberatenden“, einer repräsentativen Befragung unter den Verbandsmitgliedern des Bundesverbands für unabhängige Energieberatende (GIH), des Deutschen Energieberatende-Netzwerks (DEN) und des Zentralverbands Deutscher Schornsteinfeger (ZDS). Diese jährliche Untersuchung wurde im März 2026 mit 726 Online-Interviews zum vierten Mal seit 2023 durchgeführt.
Höhere Förderungen für Gebäudehüllen gewünscht
Die derzeitigen Bundesförderungen für energetische Gebäudesanierungen werden von der Hälfte (52%) der Energieberatenden als mittelmäßig oder schlecht beurteilt. Die andere Hälfte (45%, Vorjahr: 50%) findet die Förderungen mindestens gut. Vor allem Kontinuität in den Bundesförderungen (69%) und höhere Fördersätze für Gebäudehüllen (60%) wünschen sich Energieberatende als Verbesserungen. „Durch sehr markante und emotionale Aussagen haben viele Energieberatende ihre große Enttäuschung über den GMG-Entwurf zum Ausdruck gebracht. Vor allem ganz konkrete Risiken durch Verfehlen der Klimaschutzziele, drohende EU-Strafen und Fehlentscheidungen beim Sanieren werden in den meist sachlichen Kommentaren hervorgehoben“, kommentiert Dr. Oliver Gaedeke, Geschäftsführer und Gründer der Sirius Campus GmbH, die Ergebnisse.
Denn im Alltag erleben Energieberatende immer noch bei zwei Dritteln (63%) ihrer Kunden große Uninformiertheit und Orientierungslosigkeit. Auch die Risiken beim Einbau von Gas- und Ölheizungen sind 56 Prozent der Kunden von Energieberatenden unbekannt. „Die vielbeschworene Entscheidungsfreiheit benötigt entweder eine hohe Kompetenz oder regulierende Leitplanken, z. B. durch Pflichtberatungen oder Vorschriften. Da die Fachkompetenz in viele Haushalten fehlt und gleichzeitig die Leitplanken abgeschafft werden sollen, drohen massenhafte Fehlinvestitionen in fossile Heizungen“, gibt Dr. Gaedeke zu bedenken.
Anzahl der Energieberatungen nimmt in 2025 wieder zu
Für das Jahr 2025 berichten Energieberatende von im Durchschnitt 54 Durchführungen oder Mitwirkungen in Förderprogrammen bzw. -projekten. Im Vergleich zu 2024 mit durchschnittlich 40 Beratungen pro Energieberatendem ist das eine Steigerung um 35 Prozent. Nachfragebedingt ist die Fachberatung zum Energiesparen für das Haus-Wohneigentum (ca. 12,3 Mio.) viel häufiger als für die geringere Anzahl an KMUs (ca. 3,2 Mio.), Wohneigentümergemeinschaften (ca. 440 Tsd.) oder Kommunen (ca. 10 Tsd.) durchgeführt worden. Sanierungen von Wohngebäuden werden am häufigsten mit BEG-Komplettförderungen und BEG-Einzelmaßnahmen sowie individuellen Sanierungsfahrplänen durch Energieberatende begleitet.
Der steigende Beratungsbedarf wird auch am konstant hohen Commitment für die eigene Tätigkeit der Energieberatenden deutlich. Drei Viertel (77%) planen wahrscheinlich oder bestimmt noch in zwei Jahren als Energieberatende zu arbeiten. Fast zwei Drittel (63%) planen ihre Tätigkeit weiter auszubauen. Die zwei größten Herausforderungen der Energieberatungsbranche werden bei hohen Material- und Handwerkerpreisen (75%) sowie Konkurrenz durch automatisierte und preisgünstige Online-Energieberatungen (55%) gesehen. Dagegen nimmt der wahrgenommene Handwerkermangel kontinuierlich ab. Nur noch ein Viertel (25%) der Energieberatenden sehen hierin eine Herausforderung, vor 2 Jahren waren es noch 36 Prozent.
Weitere Informationen zum Monitor zur Energiewende und zur Perspektive der Energieberatenden gibt Ihnen Dr. Oliver Gaedeke, (oliver.gaedeke@siriuscampus.de, 0152 38 24 66 40).
Interessenten melden sich gerne bei Dr. Oliver Gaedeke oder finden weitere Informationen zum „Monitor zur Energiewende“ hier:
Dr. Oliver Gaedeke
oliver.gaedeke@siriuscampus.de
0152 38 24 66 40